Diskussion über Abschuss von Wolf und Bär verhärtet sich immer mehr

Die Diskussion über das Zusammenleben von Wolf und Bär mit dem Menschen wird seit langem hitzig geführt. Oft stehen sich dabei Bauern- und Umweltschutzverbände gegenüber und vertreten Extrempositionen, von denen sie nicht abrücken wollen und die eine sachliche Diskussion fast unmöglich machen.

Diskussion eskaliert in Südtirol

Der Südtiroler Bauernbund ist dabei besonders radikal und fordert ein „wolfsfreies Südtirol„. Da der Wolf jedoch bereits wieder heimisch in Südtirol ist und laut europäischem und italienischem Recht streng geschützt ist, steht diese Position jedoch der Sach- und Rechtslage gegenüber. Auch das Südtiroler Amt für Jagd und Fischerei plädiert für ein Zusammenleben von Mensch und Wolf:

Wolf, Hirsch, Steinbock, Gämse, Wald und Wildnis gehören zusammen. Der Mensch darf dies nicht trennen, auch nicht in der heutigen Kulturlandschaft.

Dem gegenüber steht die größte Naturschutzorganisation in Südtirol, der Dachverband für Natur- und Umweltschutz. Dieser kritisiert seit Jahren die radikalen Positionen des Bauernbundes und möchte diesen dazu bewegen, davon abzurücken.

„Problembär“ verschärft Spannungen

Die Diskussion kocht jetzt wieder durch einen Bären hoch, der zum Medienereignis wurde. Der Bär wurde in eine Auffangstation in der italienischen Provinz Trentino gebracht, aus der er sich allerdings befreien konnte. In den sozialen Medien kursierten wilde Gerüchte und das Thema wurde zum Politikum, nachdem ein Schießbefehl erteilt wurde, sollte sich der Bär bewohnten Gebieten nähern. Während Bauern, Jäger und Kleintierzüchter den Abschuss befürworten, kritisieren WWF und Legambiente „die denkbar schlechteste alle Vorgehensweise“. Diese aufgebauschte Diskussion des Themas unterbindet Wege, einen sachlichen Umgang mit Wölfen und Bären zu finden. Die Forderung eines „wolfsfreien Landes“ in Südtirol ist utopisch. Selbst wenn Wölfe dort bejagen dürfte, ist es umgeben von Regionen mit Wolfs- und Bärpopulationen, aus denen immer wieder Tiere einwandern werden. Andererseits muss klar sein, dass eine sozial verträgliche Lösung ohne Kooperation des Bauernbundes nicht möglich ist.

Ein Teil des Problems ist, dass sich in Südtirol wenige Bauern um Herdenschutzmaßnahmen kümmern. Laut des Bauernbundes wären „Präventionsmaßnahmen in der Südtiroler Berglandwirtschaft kaum umsetzbar“ und so sind 2018 nur vier Anträge auf Unterstützung von Präventionsmaßnahmen in der Region eingegangen. 207 Anträge im benachbarten Trentino zeigen jedoch, dass Herdenschutzmaßnahmen auch in der Berglandwirtschaft umsetzbar sind. In dieser Hinsicht wurde auch politisch bisher zu wenig Aufklärung und Unterstützung betrieben, was zu einer Enstpannung der Debatte beitragen könnte.

Auch nördlich der Grenze im österreichischen Tirol gibt es Konflikte zwischen der Landwirtschaftskammer und dem Land Tirol. Nach mehreren Schafsrissen durch einen Wolf hatte die Landwirtschaftskammer hier einen Antrag auf Entnahme des Wolfes eingereicht. Das Land hatte diesen Antrag unter Berufung auf den Schutzstatus des Wolfes abgelehnt, da dieser nach den Rissen nicht mehr in der Region gefunden werden konnte und somit keine akute Gefahr darstelle. Als Antwort darauf kritisierte die Landwirtschaftskammer die Untätigkeit des Landes und stellte den Schutzstatus von Wolf und Bär infrage.

Gerade wirtschaftsstarke Räume wie Tirol, die dicht besiedelt sind und bis ins letzte Tal vom Tourismus und der Freizeitwirtschaft genutzt werden, können sich einen Verlust der Landwirtschaft durch Wolf, Bär und Co. nicht leisten.

Josef Hechenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer Tirol

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